1. Teil: Vom Anfangsverdacht "LRS" bis zur Diagnose
2. Teil: Definition LRS / Legasthenie
3. Teil: Belastung, schulische Situation, Begabungen und Förderung
4. Teil: Erwartungen der Eltern
5. Teil: Bitten und Tipps der Eltern


Bitten und Tipps der Eltern


Tipps an andere Eltern

Die Tipps der Eltern an andere Eltern betroffener Kinder lassen sich in folgenden Kategorien zusammenfassen:

Eigenen Beobachtungen, Wahrnehmungen und Gefühlen vertrauen
Eltern machen offenbar häufig die Erfahrung, dass Lehrkräfte ihre Sorgen nicht ernst nehmen, bzw. glauben, dass sich die Schwierigkeiten der Kinder "auswachsen" würden. Oder aber, dass Lehrkräfte ihr Kind für unbegabt oder faul halten. Demgegenüber raten die so erfahrenen Eltern dazu, wesentlich stärker auf das eigene Gefühl zu achten.
Zitate:
"Wartet nicht zu lange - lasst euch von Lehrern nicht vertrösten - hört auf euer Bauchgefühl!"
"Verlassen Sie sich in erster Linie auf sich selbst und ihr Kind, wenn Sie Verdacht auf LRS haben. Hören sie nicht auf den Lehrer, wenn er sagt: Das gibt sich!"
"Ihr Kind ist trotzdem ein schlaues Kerlchen! Lassen Sie sich nicht verunsichern, sondern hören sie auf ihr Bauchgefühl."
"Hören sie auf ihren Bauch und auf die eigene Stimme"

Frühe und genaue Diagnostik
Daraus ergibt sich auch ein Rat, der sehr häufig auftaucht, nämlich möglichst frühzeitig testpsychologisch untersuchen zu lassen:
Zitate:
"Melden Sie Ihr Kind auch schon bei leisestem Verdacht auf LRS für eine Diagnostikreihe an (selbst wenn Lehrer sagen: "Ihr Kind muss einfach nur mehr üben und jeden Abend ein Kurzdiktat schreiben")."
"Rechtzeitig testen und reagieren."
"... suche dir Hilfe, genaue Diagnostik"
"Frühzeitige Diagnostik, lernen braucht Zeit, Geduld und Zuversicht"
"Nehmt frühzeitige Diagnostik in Anspruch, lieber einmal umsonst lasst euren Kindern helfen, es ist keine Krankheit"
"darauf achten beim ersten Anzeichen einer LRS zum Psychologen testen und sich informieren"
"Klären Sie früh, ob Ihr Kind Legastheniker ist."

Nach kompetenter Unterstützung suchen, optimal fördern
Eine professionelle außerschulische Unterstützung sehen sehr viele Eltern als wichtigen Schritt – verschiedene Meinungen gibt es dahingehend, wieweit die Eltern sich selbst im Lernbereich mit den Kindern engagieren sollen. Während ein Teil der Eltern auch selbst im Lesen und Schreiben unterstützen möchte, raten andere Eltern genau davon ab. Wie eine kompetente Unterstützung aussehen könnte, wird in den kurzen Antworten nicht wirklich deutlich, Stichworte sind: individuell, kleinschrittig, Methodenvielfalt.
Zitate:
"Durchhalten! nach Hilfe suchen, bis das Optimale gefunden wird!"
"- versucht, dass das Hauptthema zu Hause nicht Schule heißt - gebt das Lernen mit den Kindern möglichst an andere ab, damit das Eltern/Kind Verhältnis nicht so stark belastet wird"
"Vergessen Sie niemals - es ist ihr Kind, das bedingungslose Liebe verdient hat ohne an seinen schulischen Leistungen bemessen zu werden. Geben Sie die Förderung in professionelle Hände und genießen sie die restliche Zeit ohne ständig über dieses Thema zu sprechen."
"Frühzeitiges Förderung und häusliche Unterstützung des Kindes."
"Strukturiertes Üben, besonders in der Grundschulzeit jeden Nachmittag etwas Grammatik oder Rechtschreibung"
"hartnäckig nach kompetenten Gesprächspartnern und qualifizierten Förderern suchen"

An das Kind glauben, es so nehmen, wie es ist
Der häufigste Rat der befragten Eltern ist sicherlich, an das eigene Kind zu glauben, es in seinen Schwächen und Stärken anzunehmen und deutlich zu zeigen, dass man es schätzt und liebt – unabhängig von den Schulleistungen.
Zitate:
"Glauben Sie an ihr Kind, es wird seinen Weg gehen. Quälen sie es nicht zu sehr."
"Kein Druck - Verständnis und Unterstützung"
"Das Kind liebevoll aufbauend und unterstützend (so wie du bist, bist du gut) begleiten."
"Nie die Geduld und den Glauben an ihr Kind zu verlieren. Ihr Kind so gut wie möglich zu bestärken und seine anderen Fähigkeiten hervorheben und fördern. Die Kinder brauchen Erfolge und Anerkennung!"
"Glaubt an die Stärken und die Kraft Eures Kindes! Investiert ganz viel Liebe und Zeit in Euer Kind!"
"Viel Geduld und Energie.  Kind zeigen, dass es geliebt wird, unabhängig von der Schulleistung."
"Das Kind ernst nehmen und es so lieben wie es ist. Eine besondere einmalige Person."

Für das Kind kämpfen
Ob schützend vor oder bestärkend hinter dem Kind – der kämpferische Einsatz für das eigene Kind ist ein zentraler Rat der befragten Eltern. Der Kampf für das eigene Kind kann dabei recht unterschiedliche Formen annehmen. Einerseits kann er einen engen, geduldigen Kontakt zur Lehrerkraft meinen  ("... viel Kontakt zum Lehrer halten, und sich gründlich informieren", "immer mit dem Lehrer in Verbindung bleiben") andererseits  kann er auch das Gegenteil bedeuten, nämlich gar nicht auf die Meinung der Lehrkraft zu hören ("... Ignoriere weitgehend Lehrer, Sozialpädagogen, Erzieher!!!").
Zitate:
"Lehrer über ihre Möglichkeiten und Rechte im Umgang mit LRS-Kindern aufklären."
"Stellen Sie die Stärken Ihrer Kinder in den Vordergrund!!! Kämpfen Sie für die Rechte Ihres Kindes!!!"
"Kampfwille, Durchhaltevermögen"
"Nicht aufgeben! Niemand kämpft für Ihr Kind als nur Sie!!"
"Kämpfen, kämpfen, nicht aufgeben, nicht abweisen lassen, darauf bestehen und versuchen, das Kind zu bestärken und motivieren, was nicht sehr einfach ist, wenn es frustriert aus der Schule kommt."
"Immer schützend vor dem Kind stehen. Nicht von Lehrern oder Rektoren beeindrucken lassen. Kämpfe für Dein Kind."

Gelassenheit
Neben der kämpferischen Einstellung raten viele Eltern dazu, den Lese-Rechtschreibproblemen des Kindes nicht zu viel Raum im Alltagsleben und in der Beziehung zum Kind einzuräumen.
Zitate:
"Nicht verrückt machen lassen. Richtige Probleme sind etwas anderes."
"Gelassenheit, den Kindern Zeit geben, sich zu entwickeln, gerade das Lesen wird besser"
"Ruhe, Gelassenheit, 100%ig hinter seinem Kind stehen. Seinem Kind vertrauen.
Gelassenheit in Bezug auf die Benotung"

Offener Austausch
Der Austausch mit anderen Eltern erfüllt nach Meinung der Befragten zwei wichtige Funktionen: Man erfährt, dass man nicht alleine ist, und man erhält ganz konkrete Tipps für den Umgang mit der Schule, Ämtern, etc. Letztlich kann man auch selbst Erfahrungen weitergeben und andere davon profitieren lassen.
Zitate:
"Offen über die Probleme reden, es gibt immer andere, denen es genauso geht."
"Ruhe bewahren und Kontakt zu anderen betroffenen Familien suchen, damit man sieht, man ist mit dem ‚Problem’ nicht allein"
"Sich nicht schnell verunsichern lassen, andere Eltern/Betroffene befragen"
"Den Austausch mit anderen Betroffenen suchen"
"Sprich mit weiteren Betroffenen vor Ort. So haben wir eine geeignete weiterführende Schule gefunden. Diese war der Grundschule nicht einmal bekannt."
"Bei älteren betroffenen Kindern und deren Eltern Hilfen holen bevor man beim Jugendamt etc. verzweifelt (Erfahrungen abfragen)."
"Tipps und Erfahrenes weiterzugeben, und Erfahrungsaustausch. Wege, Mittel, Ärzte, usw. ..."

Ein besonders ermutigendes Zitat:
"Ich habe selbst LRS und einen Dipl.Ing. Meine Schwäche habe ich mit Selbstdisziplin und Fleiß gut in den Griff bekommen und mit zunehmender Bildung interessiert es immer weniger. Man muss hauptsächlich die ersten 4 Grundschuljahre überstehen. Leider wird der Fokus in der Hauptschule immer mehr auf Rechtschreibung gesetzt. Aber z.B. im Gymnasium schert sich der Mathe-Lehrer dann nicht mehr darum. Heute sind meine Emails fehlerfreier als die meiner Kollegen, da ich mehr darauf fokussiert bin."


Alle Antworten der befragten Eltern können Sie in einer pdf-Datei herunterladen.

Tipps der Eltern an andere Eltern (172 KB)


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