1. Teil: Vom Anfangsverdacht "LRS" bis zur Diagnose
2. Teil: Definition LRS / Legasthenie
3. Teil: Belastung, schulische Situation, Begabungen und Förderung
4. Teil: Erwartungen der Eltern
5. Teil: Bitten und Tipps der Eltern


Definition LRS /Legasthenie

Die in Klammern gesetzten Zahlen sind die Vergleichszahlen aus dem Jahr 2006.

Als was würden Sie LRS / Legasthenie bezeichnen?
Da Mehrfachnennungen möglich waren, ergibt sich folgendes Bild:

Behinderung:  61 (63)
Krankheit: 26 (39)
Schwäche: 181 (192)
Geringe Begabung: 1 (7)
Störung: 91 (105)
Genetischer Defekt: 88 (101)
Anderes Begabungsprofil 105 (dieser Punkt stand 2006 nicht zur Wahl)
Wahrnehmungsstörung: 186 (215)
Keine Angaben oder weiß nicht: 19 (11)

 

Weitere Persönliche Definitionen von LRS / Legasthenie:

Handicap, Lernerschwernis, Teilleistungsstörung, Lernschwäche, Lernstörung, Unvermögen, geistiger Knoten, Verbindungsstörung im Gehirn, Verbindungsfehler zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis, eine andere Art zu Denken, zu Verstehen und zu Lernen, verzögerte Entwicklung, alternative Wahrnehmung, Behinderung durch Dritte, Talentsignal, Demotivation, multifaktoriell verursachte Lern- und Leistungsstörung und anderes genannt. Einige Male wurde auf eine "besondere Begabung" dieser Kinder hingewiesen.
Auch wurde das Bildungssystem angesprochen. Stellvertretend hierzu zwei Einträge: "Eine genetisch bedingte andere Form der Wahrnehmung, die weder als Krankheit, Störung oder Defekt bezeichnet werden darf, nur weil das Bildungssystem keine angemessene Förderung für diese speziell begabten Menschen vorsieht." Oder: "Sie (die Kinder) entsprechen nicht der Norm und dadurch haben diese Personen Probleme!!!"

Um finanzielle Förderung, einen Nachteilsausgleich in der Schule oder eine Legasthenie-Therapie für Ihr Kind zu bekommen, wären Sie bereit, Ihr Kind als "behindert" oder "krank" diagnostizieren zu lassen?

Ich wäre damit einverstanden, dass mein Kind offiziell als "krank" eingestuft würde.
Ja: 159   =  38,5 %  (187 = 45,3 %)     
Nein: 242  = 58,7 %  (215 = 52, 0%)  
Ohne Eintrag: 11 = 2,7% (11= 2,7 %)

Ich wäre damit einverstanden, dass mein Kind offiziell als "behindert" eingestuft würde.
Ja: 116  = 28.1%  (102 =  24,7%)       
Nein: 283  = 68,5% (296 = 71,7%)     
Ohne Eintrag: 13  = 3,2% (15 = (3,6%)  

Es kreuzten an:
sowohl "krank" Ja als auch "behindert" Ja : 69 (66)
sowohl "krank" Nein als auch "behindert" Nein: 199 (185)

"krank" Ja, aber "behindert" Nein: 83 (107)  
"behindert" Ja, aber "krank" Nein: 42  (30)

 "krank" Ja und "behindert" leer: 7 (14)
"behindert" Ja und "krank" leer: 5 (6)

Zusammenfassende Bewertung:

Die Meinungen der Eltern in Bezug zur Frage: Was ist eigentlich Legasthenie? spiegeln in etwa die Erkenntnisse der pädagogischen, psychologischen und medizinischen Wissenschaft wider: Nichts Genaues weiß man nicht. Auch wenn insbesondere die medizinische Forschung immer wieder mit Nachrichten wie "Legasthenie-Gen entdeckt" auf sich aufmerksam macht, konnte in den letzten Jahrzehnten keine eindeutige Ursache für die steigenden Lese-Rechtschreibprobleme zahlreicher Kinder gefunden werden. Was als gesichert gilt, ist einzig, dass dem Erscheinungsbild Legasthenie / LRS ein multifaktorielles Ursachenbild zugrunde liegt, das bei jedem Kind individuell zusammengesetzt ist. Es gibt also nicht "die Legastheneie" oder "die LRS". Die LRS ist auch nicht einfach im Kind vorzufinden, sondern wird durch zahlreiche Umweltfaktoren mitbedingt (familiärer Umgang, [mangelnde] schulische Förderung, Verhalten der Peergroup ...). 

Parallel dazu haben sich auch die Einschätzungen der Eltern seit 2006 nur geringfügig verändert. Die 2009 neu hinzugekommene Definitionsmöglichkeit "Anderes Begabungsprofil" wurde von den Eltern stark angenommen, so dass die eher störungsorientierten Definitionsmöglichkeiten etwas weniger ausgewählt wurden. Das wäre 2006 möglicherweise ähnlich gewesen, wenn der Punkt schon damals zur Auswahl gestanden hätte. Ein direkter Vergleich ist hier nicht möglich.

Nur 6,3 % aller Eltern sehen LRS u.a. als Krankheit, aber 38,5 % der Eltern wären bereit, ihr Kind als "krank" diagnostizieren zu lassen, um finanzielle Förderung, einen Nachteilsausgleich in der Schule oder eine Legasthenie-Therapie zu bekommen. Beim Thema "Behinderung" verhält es sich ähnlich: 14,8 % der Befragten sehen LRS / Legasthenie u.a. als Behinderung, aber 28,1 % wären für die oben genannten Unterstützungsmöglichkeiten bereit, ihr Kind offiziell als "behindert" einstufen zu lassen. (Die Bereitschaft, das eigene Kind als krank zu definieren ist damit im Vergleich zu 2006 leicht zurückgegangen, während sich die Bereitschaft das Kind als behindert einzustufen etwas erhöht hat.)

Hier wird ersichtlich, wie groß die Not vieler Eltern ist und wie verzweifelt sie die Lage ihrer Kinder einschätzen. Nach wie vor finden sie ein Bildungssystem vor, das lese-rechtschreibschwache Kinder selektiert und sie ihrer Bildungschancen beraubt.


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