1. Teil: Vom Anfangsverdacht "LRS" bis zur Diagnose
2. Teil: Definition LRS / Legasthenie
3. Teil: Belastung, schulische Situation, Begabungen und Förderung
4. Teil: Erwartungen der Eltern
5. Teil: Bitten und Tipps der Eltern


Belastung, schulische Situation, Begabungen und Förderung

Die in Klammern gesetzten Zahlen sind die Vergleichszahlen aus dem Jahr 2006.

Belastung durch die LRS / Legasthenie

Wie hoch schätzen Sie die Belastung Ihres Kindes durch die LRS / Legasthenie ein?
Auf einer Skala von 0 (sehr gering) bis 10 (sehr hoch) gaben die Eltern folgende Durchschnittswerte an:

in der Schule: 7,21 (7,64)
im seelisch-psychischen Bereich auch außerhalb der Schule: 5,18 (6,75)  

Und die Belastung, den Stress der gesamten Familie durch die LRS / Legasthenie des Kindes?

im seelisch-psychischen Bereich:  5,84 (5,75)
im Alltagsbereich (verstärktes gemeinsames Lernen, Fahrten zur Förderung etc.): 6,38 (6,59)
Belastung durch LRS / Legasthenie

Schulische Situation

Wie hoch sehen Sie die Unterstützung in der Schule für Ihr Kind?
(auf einer Skala von 0 (sehr gering) bis 10 (sehr hoch)

Im Fach Deutsch: 3,61 (3,06)
In den Fremdsprachen: 2,15 (1,78)
In den übrigen Fächern: 2,59 (1,89)

Empfinden Sie die schulische Unterstützung und Förderung für Ihr Kind insgesamt als zufrieden stellend?

ja: 64 (58)
nein: 341 (349)

Musste Ihr Kind hauptsächlich wegen der LRS / Legasthenie bisher eine Klasse wiederholen?

ja: 100 (86)
nein: 305 (316)

Musste Ihr Kind hauptsächlich wegen der LRS / Legasthenie die Schule wechseln?

ja: 80 (78)
nein: 330 (330)

Von den Kindern, die die Schule wechselten, kamen

16 (22) in eine Schule desselben Schultyps
11 (8) in eine Schule desselben Schultyps mit privater Bezahlung
24 (24) auf eine anderen Schultyp mit niedrigerem Schulabschluss
27 (25) auf sonstige (Waldorfschulen, Sprachheilschule, LRS-Schule, Montessorischule, Privatgymnasium, LRS-Klasse, Förderschule, Gesamtschule, Internat)

Die Begabung Ihres Kindes

Glauben Sie, dass in der Schule den anderen Begabungen des Kindes genügend Aufmerksamkeit gegeben wird?
Skala 0 (keine) bis 10 (sehr viel)

Durchschnittswert: 4,12 (3,9)

Glauben Sie, dass Sie als Eltern die anderen Begabungen des Kindes genügend fördern?

Skala 0 (fast gar nicht) bis 10 (hundertprozentig)

Durchschnittswert: 6,69 ( 6,66)

Glauben Sie, dass Ihr Kind aufgrund der LRS / Legasthenie von den Lehrern bzw. der Schule Benachteiligung erfährt?
Skala 0 (keine) bis 10 (sehr stark)

Durchschnittswert 4,99 (5,43)

Spezielle Förderung / Legasthenietherapie

Bekommt oder bekam Ihr Kind aufgrund der LRS / Legasthenie besondere Förderung oder Therapie?

ja: 360 (366)
nein:  52 (46)
   
Wenn ja, von wem?
(Mehrfachnennung war möglich)
 
Lehrer/in: 55 (45)
LRS- oder Legasthenietherapie: 214 (204)
Förderunterricht in der Schule: 148  (151)
Förderunterricht außerhalb der Schule: 69 (70)
Logopäde/Logopädin: 85 (57)

Förderung bei LRS

andere Förderung: 71 (93)
Hierer wurden u.a. folgende Förderungen genannt: privat bezahlte Schulpsychologen, oft Ergotherapie, Nachhilfe, durch Eltern selbst, pädagogische Praxen, Internethilfen, Psychotherapie, Sprachheiltherapeut, Sport und Spiel

Wenn Ihr Kind Förderung oder Therapie erhielt oder erhält, wie schätzen Sie den Erfolg dieser Unterstützung ein?
Skala 0 (kein Erfolg) bis 10 (sehr erfolgreich)

Kein bis geringer Erfolg (0-3)  66  (65)
Mittlerer Erfolg (4-6)   140 (119)
Guter bis sehr guter Erfolg (7-10)  139  (160)

Durchschnittswert Erfolg: 5,8 (5,89)

Bekommen oder bekamen Sie finanzielle Unterstützung nach §35a des Jugendhilfegesetzes?

ja: 93 (95)
nein: 302 (298)

Wenn ja, für wie viele Stunden?

Durchschnittsstundenzahl:   56 (49,3)

Sonstige finanzielle Unterstützung (z.B. durch die Krankenkasse?
)

... wurden kaum erwähnt.

Zusammenfassende Bewertung:

Die Einschätzung der Belastungen durch LRS sind insgesamt recht stabil geblieben - wenn auch erfreulicherweise immer ein kleines bisschen geringer als noch vor drei Jahren. Allerdings befinden sich die Belastungen der Kinder und ihrer Familien  weiterhin auf einem hohen Niveau. In der Schule sehen die Eltern ihre Kinder nach wie vor am stärksten belastet. Im seelisch-psychischen Bereich außerhalb der Schule bildet sich eine Veränderung ab. Hier erleben die Eltern ihre Kinder weniger belastet als noch vor drei Jahren (5,18 zu 6,75).
Dies lässt verschiedene Interpretationen zu: Möglicherweise hat sich die Haltung zu LRS / Legasthenie in den letzten Jahren insgesamt gewandelt, die Eltern und damit auch die Kinder sind selbstbewusster geworden, möglicherweise können auch die Eltern ihre Kinder emotional besser unterstützen (hier könnte auch LegaKids mit seinem entlastenden Angebot für die Kinder eine Rolle spielen). Eine eindeutige Aussage ist hier nicht möglich.

In der Tendenz hat die schulische Unterstützung leicht zugenommen und zwar in allen Fächern. Dennoch wird sie längst nicht als ausreichend wahrgenommen. Zufrieden sind nur 64 Eltern im Vergleich zu 341 unzufriedenen Eltern.

Die Klassenwiederholung hauptsächlich aufgrund  der LRS / Legasthenie ist erschreckend hoch: Fast 25 % mussten eine Klasse wiederholen. Für das einzelne Kind mag darin eine Möglichkeit zum Neubeginn liegen, doch zahlreiche Untersuchungen legen nahe, dass sich das "Sitzenbleiben" in den wenigsten Fällen positiv auf die schulische oder persönliche Entwicklung eines Kindes auswirkt. Immerhin knapp 20% der Kinder wechselten wegen der LRS / Legasthenie die Schule.
Diese Zahlen verdeutlichen, wie schwerwiegend sich im deutschen Bildungssystem eine LRS / Legasthenie auf die schulische Laufbahn auswirken kann und wie wenig die strukturelle Situation den innerschulischen Unterstützungssystemen aufzufangen erlaubt.

Die Eltern äußern zudem sehr deutlich das Gefühl, dass den sonstigen Begabungen ihres Kindes in der Schule keine ausreichende Förderung zuteil wird und die Kinder in der Schule aufgrund der LRS / Legasthenie Benachteiligung erfahren.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass weit über 80 % der Kinder eine besondere Förderung oder Therapie erhielten bzw. erhalten – allerdings wurde und wird die Förderung nur bei 22,5 % durch die Jugendämter finanziert. Dementsprechend erhalten die Kinder sehr unterschiedliche Kombinationen von Förderungsmethoden. Nur etwas über 50 % der betroffenen Kinder bekommt eine spezielle LRS/Legasthenietherapie. Insgesamt gibt es hier kaum Veränderungen zu 2006, nur die logopädische Förderung wird in der Zwischenzeit wohl stärker genützt (jetzt 85 zu 57 im Jahr 2006). Im Durchschnitt sehen die Eltern die Fördermaßnahmen als eher erfolgreich an. Knapp 20% sind eher enttäuscht über die Fördermaßnahmen, jeweils 40% sehen einen mittleren Erfolg und ebenso 40% einen guten bis sehr guten Erfolg.

Dieser Teil der Befragung macht deutlich, dass die betroffenen Kinder sehr stark auf das persönliche Engagement und Wissen ihrer Eltern angewiesen sind - sowie letztlich  auf deren Geldbeutel.


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