Antwort aus Hamburg

Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung

Direktor Peter Daschner
18. Dezember 2009

Sehr geehrter Herr Kortländer,

vielen Dank für Ihr Schreiben an Frau Senatorin Goetsch vom 28.10.2009, in dem Sie nach Informationen zur Ausbildung der Hamburger Grundschullehrkräfte in der Didaktik des Schriftspracherwerbs unter besonderer Berücksichtigung von möglichen Problemen im Prozess des Lesenlernens fragen.
Die Senatorin hat mich gebeten, Ihnen zu antworten. Bitte entschuldigen Sie die durch eine hohe Arbeitslast bedingte späte Antwort.

In Hamburg wird seit 2005/06 im Rahmen des Hamburger Sprach-förderkonzeptes in diesem Bereich gearbeitet.

Das Hamburger Sprachförderkonzept ist im Schuljahr 2005/2006 für Vorschulklassen und für die allgemeinbildenden Schulen in Kraft getreten und beschreibt auch die besondere Förderung im schriftsprachlichen Bereich (Lesen und Schreiben), vgl. www.hamburger-bildungsserver.de.

Grundlage für die Durchführung schulischer Sprachfärderung in den Klassen der
Grundschule und in der Sekundarstufe 1 ist eine Ziel- und Leistungs-vereinbarung zwischen der BSB und der Schule. In dieser verpflichten sich Schulen,

  • ein Konzept für die integrative und additive Sprachförderarbeit, d.h. für die Sprachförderung im Regelunterricht und für zusätzliche Fördermaßnahmen unterBerücksichtigung der förderrelevanten Merkmale ihrer Schülerschaft zu erstellen,
  • bei allen Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf eine Diagnose der Lernausgangslage durchzuführen,
  • in Fallkonferenzen individuelle Förderpläne für diese Schülerinnen und Schüleraufzustellen,
  • nach Ablauf der Förderung, mindestens jedoch einmal im Schuljahr, eine Erfolgskontrolle der Maßnahmen durchzuführen,
  • die Mittel zweck- und zielgerichtet einzusetzen
  • und jährlich gegenüber der zuständigen Schulaufsicht zu berichten.

Die Behörde für Schule und Berufsbildung verpflichtet sich ihrerseits, den Schulen entsprechende Personalmittel zuzuweisen und die Schule in Kooperation mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) bei der Entwicklung, Planung, Durchführung und Evaluation zu beraten. Das LI bildet für jede Schule ein oder mehrere Sprachlernkoordinatorinnen und Sprachlernkoordinatoren aus, die für die Umsetzung des Hamburger Sprachförderkonzepts in den Schulen zuständig sind. Das begleitende Monitoring der Abteilung Qualitätssicherung des LI (LIQ) konnte im Schuljahr 2006/07 einen Systemwechsel hin zur diagnosegestützten Förderung feststellen. Eine veränderte Förderpraxis, in der standardisierte Tests eingesetzt werden und qualifizierte Lehrkräfte unter Berücksichtigung individueller Förderpläne die Förderung durchführen, haben dazu geführt, dass ein Drittel aller geförderten Schülerinnen und Schüler nach einem Schuljahr keinen ausgeprägten Förderbedarf mehr hatte.

Die Einbeziehung der Ergebnisse aus den beiden Hamburger Teilprojekten Family Literacy und Sprachförderung nach HAVAS 5 im Rahmen des BLK-Modellversuches FörMig prägt die Weiterentwicklung des Sprachfö rderkonzeptes im Schuljahr 2009/2010.

So sollen im Rahmen einer diagnosegestützten Sprachförderung künftig die Eltern angeleitet werden, zuhause in spielerischer Form sprachförderliche Angebote in ihr Familienleben zu integrieren. Jährlich sollen ab diesem Schuljahr 20 neue Schulen in Gegenden mit erhöhtem Färderbedarf Family Literacy - Standorte werden. Derzeitig arbeiten 32 Hamburger Schulen nach dem Family Literacy---Konzept.

Sonstige Angebote am Lt

Hierüber hinaus bietet das LI regelmäßig Fortbildungen in dem Bereich Didaktik des Schriftspracherwerbs an, z. B. in der Jahresbegleitung der Klassen 1 bis 4. Weitere Fortbildungsveranstaltungen sind u. a.: Rund um den Kieler Leseaufbau, Wortspiele und Kinderliteratur, Aufbau von Lesekompetenz, Lesen und Schreiben mit persönlichem Bezug, Mein erstes Buch - ein Koffer voller Ideen, Die Schreiblust der Kinder wecken, Alle zusammen und jeder für sich --- individuelle Schreib- und Rechtschreibförderung, Fächerübergreifende Sprachprojekte und Grundlagen des Schriftspracherwerbs.

Das LI arbeitete seit langem eng mit der Hamburger Öffentlichen Bücherhalle zusammen. Alle Hamburger Schulklassen des 1 . und 2. Jahrgangs erhalten halbjährlich Lesekisten für ihre Klassen, besuchen ihre Partnerbücherhallen und können an dem jährlich stattfindenden Lesekistenwettbewerb teilnehmen.

Mit dem Schuljahr 2007/2008 ist das Angebot auch für Vorschulklassen ausgebaut worden. In Zusammenarbait mit Prof. Hüttis-Graff der Universität Hamburg und der Öffentlichen Bücherhalle wurden Lese-Hör-Kisten für den vorschulischen Bereich entwickelt. Die Lese-Hör-Kisten enthalten Hörmedien und dazugehörige Bilderbücher, die von den Kindern parallel genutzt werden. Auf diese Weise wird nicht nur ein Umgang mit Büchern und Literatur, sondern auch ein früher Zugang zur Schriftlichkeit angebahnt. In diesem Zusammenhang ist besonders das Diktieren ein wichtiger Bestandteil der Arbeit mit Lese-Hör-Kisten. Die Kinder erhalten die Gelegenheit, einem erwachsenen Schreiber eigene Texte zu den gehörten Geschichten zu diktieren. Dabei werden sie zu einer "Haltung des Schreibens" geführt, sie sind Autoren auch ohne die manuelle Seite des Schreibens zu beherrschen.

Für die Arbeit mit den Lese-Hör-Kisten werden dieLehrkräfte gezieltam LI fortgebildet und begleitet. Im kommenden Schuljahr werden weitere 50 Schulen mit Lese-Hör-Kisten ausgestattet, sodass insgesamt ab dem Schuljahr 2010 über 100 Hamburger Schulen mit Lese-Hör-Kisten arbeiten.

In die Umsetzung des neuen Hamburger Sprachförderkonzeptes fließen derzeitig Ressourcen im Umfang von jährlich ca. 400 Lehrerstellen ein.

Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes liegt auf der Qualifizierung der Sprachlernkoordinatorinnen und Sprachlernkoordinatoren sowie einer anschließenden kontinuierlichen und fachlichen Begleitung ihrer Arbeit. Nur so ist längerfristig zu gewährleisten, dass an jeder Hamburger Schule das anspruchsvolle Sprachförderkonzept mit den der jeweiligen Schule zustehenden Sprachförderstunden inhaltlich angemessen umgesetzt werden kann.

Der berechtigte und wichtige Anspruch, in der Schule jedem Kind ein individualisiertes Förderkonzept anzubieten, kann nur in der Zusammenarbeit mit qualifizierten Fachkräften umgesetzt werden, die Kinder mit Lernschwierigkeiten so früh wie möglich durch eine gezielte Diagnose erkennen und ihnen auf dieser Grundlage mit individualisierten Förderplänen so schnell und effektiv wie möglich helfen.

Für weitere Nachfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Daschner

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