Antwort aus Schleswig-Holstein

Ministerium für Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein

29. April 2010 

Recht auf Lesen: Offener Brief an die Bildungsministerlnnen der Länder 

Sehr geehrter Herr Kortländer,

durch ein internes Missverständnis wurde es versaumt, auf Ihre Schreiben zu antworten, ich bitte um Nachsicht.
Ich möchte Ihnen als zuständige Referentin antworten und darstellen, mit welchen Maßnahmen Schleswig- Holstein das von Ihnen geforderte „Recht auf Lesen“ fördert.

Ihr Ziel ist es, den Prozentsatz der Kinder ohne ausreichende basale Lesekompetenz starkzu verringern - darin ist Ihre Initiative einig mit den Zielen des Ministeriums für Bildung und Kultur. Es deckt sich ebenfalls mit unseren Vorstellungen, dass dazu der Ausbildung derGrundschullehrkräfte eine entscheidende Bedeutung zukommt.

Für Grundschullehrkräfte mit dem Fach Deutsch gehören in Schleswig- Holstein die Themen >Didaktik des Schriftspracherwerbs< und >Probleme im Prozess desSchriftspracherwerbs< zur ersten Phase der Ausbildung und sind Pflichtmodule in derzweiten Phase. Das Fach Deutsch wird selten fachfremd unterrichtet, da fast 90% derStudierenden dieses Fach wählen. So ist in hohem Maße sicher gestellt, dass der Deutschunterricht in der Grundschule von ausgebildeten Lehrkräften erteilt wird.

Die unterrichtenden Lehrkräfte haben zudem vielfältige Möglichkeiten, ihre Kenntnisse zuvertiefen oder auf den neuesten Stand zu bringen:

•   Das für die Aus- und Weiterbildung zuständige Institut (IQSH) bietet eine Vielzahl von  Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu dem Thema Schriftspracherwerb.
•   Bei dem regelmäßig statifindenden Landesfachtag Deutsch gehören entsprechende Themen zum selbstverständlichen Angebot.
•   Herauszuheben ist eine Multiplikatorenausbildung „Schriftspracherwerb“, die vom IQSH angeboten wird. Dadurch werden sehr gute Fortbildnerlnnen gewonnen und vertieftes Wissen in die Fachkonferenzen der einzelnen Schulen getragen.            
•   Speziell für die Eingangsphase der Grundschule wurden mit dem Ziel, die individuelle Förderung im Unterricht auszubauen, detaillierte Materialien zu den einzelnen Fächern, also auch Deutsch, in Ordnern zusammengestellt und jeder Grundschule
•   Zur Unterstützung der Grundschullehrkräfte werden vor allem in der Eingangsphase zusätzlich Sonderpädagogen des zuständigen Förderzentrums tätig, um Lernschwierigkeiten möglichst früh zu erkennen und Fördermaßnahmen anzubieten.

Werden Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb erkennbar, gibt der Erlass „Förderung vonSchülerinnen und Schülern mit Lese- Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie)“ vom 7.Juni2008 detaillierte Regelungen für den internen schulischen Umgang mit denBeeinträchtigungen vor. Sie umfassen Fördermaßnahmen, Ausgleichsmaßnahmen (Maßnahmen im Sinne eines Nachteilsausgleichs) und Schutzmaßnahmen (Notenschutz) und sollen dazu beitragen, dass die Schülerinnen und Schüler Lernschwierigkeitenüberwinden oder-mit ihnen umgehen lernen. Ziel ist es, Motivation, Lernfreude und Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler zu erhalten. Dem Erlass liegt die Auffassung zu Grunde, dass Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben ein schulisches Lernproblem darstellen - die Schülerin oder der Schüler wird bewusst nicht als „gestört, krank oder behindert“ eingestuft. Es ist Aufgabe der Schule, individuelleSchwierigkeiten einer Schülerin und eines Schülers im Lesen und Rechtschreiben zuerkennen und als einen Förderanlass wahrzunehmen. Jede Schule muss gemäß Erlass eine speziell fortgebildete Lehrkraft (Fachkraft LRS) benennen, die mit den Lehrkräften des zuständigen Förderzentrums und demSchulpsychologischen Dienst eng zusammenarbeitet und in der Schule auch beratend beiFragen der Lese-Rechtsehreib-Schwäche tätig ist. 

Abschließend möchte ich auf die zahlreichen Maßnahmen zur Stärkung der Lesekompetenz in der Grundschule und den weiterführenden Schulen in Zusammenarbeitmit Büchereien, der Stiftung Lesen oder den Zeitungsverlagen hinweisen. Besondershervorzuheben ist die Aktion des IQSH „Niemanden zurücklassen - Lesen macht Spaß“, die gezielt die Lesekompetenz schwächerer Schülerinnen und Schüler in derSekundarstufe 1 fordert. Diese Beispiele demonstrieren, dass Schleswig- Holstein deutliche Anstrengungenunternimmt, um das auch von Ihnen angestrebte Ziel einer Förderung der Lesekompetenzzu erreichen. 

Mit freundlichen Grüßen       

Wiebke Wallrodt
ReferentinFachaufsicht Schulpsychologischer Dienst

Brief als PDF

 

Tipp: Werden an Ihrem Ort oder in Ihrer Schule die Forderungen von "Recht auf Lesen" nicht erfüllt, drucken Sie sich das Schreiben Ihres Ministeriums aus und nutzen sie es als Argumentationshilfe :-).

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